Jörg Birkel: Sieben auf einen Streich

Der Kölner Jörg Birkel ist der einzige Athlet, der alle Rennen der Dextro Energy Triathlon ITU World Championship Series gefinisht hat. Von Sydney bis Peking war der Journalist und spomedis-Autor auf allen Strecken dabei.

Jörg Birkel, Sie haben sieben WM-Rennen in Serie gefinisht. Welches war das schönste?
Ganz klar London. Das war einfach großartig, eine tolle Atmosphäre und die Strecke am Palast der Queen vorbei - das war ziemlich beeindruckend.

Wie kamen Sie darauf, die komplette Serie in Angriff zu nehmen?
Ich bin erst seit zwei Jahren Triathlet. Hamburg hat mir im letzten Jahr sehr gut gefallen. Als die International Triathlon Union angekündigt hat, dass es bei jedem WM-Rennen ein Jedermannfeld geben soll, war für mich klar: Da muss ich dabei sein.

Wie ist das Finale in Peking für Sie gelaufen?
Peking war hart. Am Ende ist mir nun doch ein bisschen die Luft ausgegangen. Ich hatte ja keine Erfahrung, wie man sich eine Saison mit so vielen Rennen einteilt. Ich wollte zum Jahresbeginn nicht so viel trainieren, um dann in der Saison etwas anzuziehen - und genau das war der Fehler. In Sydney war ich schon recht fit, aber noch nicht auf dem Leistungshöhepunkt. Ich dachte, ich könnte das halten oder noch zulegen - aber das ging gar nicht. Ich bin von Rennen zu Rennen müder geworden und musste schon in Hamburg einsehen, dass das so nicht klappt mit den Anziehen. Die letzten Rennen haben ich dann nur noch zum Genießen mitgemacht. Ich bin zum Ende immer langsamer geworden - es war trotzdem toll.

Haben Sie verfolgt, wie sich die Weltmeisterschaft in der Elite entwickelt?
Natürlich, ich habe die Saison ja auch als Sportjournalist verfolgt. Das war schon absolut faszinierend, was die Großen da abreißen. Das kann man sich als Außenstehender und Nicht-Triathlet gar nicht vorstellen, was die für enorme Leistungen bringen. Wenn man dann selbst schwimmt und merkt, wie groß der Leistungsunterschied ist, wenn das Radfahren so richtig weh tut und wenn man dann sieht, wie die Jungs hintendrauf noch laufen können, dann bekommt man einen gewaltigen Respekt.

Sie haben ja in diesem Sommer eine Menge Flugmeilen gesammelt und viele Hotels gesehen. Wie finanzieren Sie das alles?
Ich habe das alles selbst finanziert. Als Journalist habe ich vor Ort aber immer auch gearbeitet, so dass die Reisen halb dienstlich waren. Vom Team Erdinger alkoholfrei habe ich eine Unterstützung für die Flüge bekommen und von HRS Hotelgutscheine für jeweils zwei Nächte. In Europa habe ich immer gute Billigflüge gefunden. Sydney und Peking sind natürlich richtig ins Geld gegangen.

Und im nächsten Jahr geht es weiter - mit den Rennen im Sydney und San Diego zum Saisonstart?
Nein, im nächsten Jahr kommen neue Ziele auf mich zu: Ich möchte gern einmal eine Halbdistanz probieren. Ich glaube, es wird die Challenge Kraichgau. Aber in Hamburg bin ich natürlich auch wieder am Start.

Dann ist das langfristige Ziel sicher auch kein Geheimnis mehr ...
Das weiß ich noch nicht, ich habe immer mehr Respekt vor den Langdistanzlern bekommen! Erst mal die Halbdistanz, die ist ein bisschen ruhiger. Hier auf der olympischen Distanz muss man von Anfang an Gas geben und schnell sein. Ich schwimme inzwischen ganz gut, komme immer in den ersten zehn Prozent aus dem Wasser. Auch auf dem Rad klappt es ganz gut, aber beim Laufen überholen mich wieder alle. Ich bin einfach zu groß und zu schwer, um hier was zu erreichen. Auf der Halbdistanz kann ich das alles ein bisschen ruhiger angehen, da schaue ich auch nicht so sehr auf Zeiten.