"Yoga ist keine Sportart"

Ariane Heck ist Triathletin und Yogalehrerin. In Sportseminaren und Trainingscamps unterrichtet sie Yoga in Anpassung an die jeweilige Sportart und abgestimmt auf die weiteren täglichen Trainingseinheiten. Soeben sind ihr Buch "Yoga für Triathleten" und die drei Yoga-DVDs "Mehr Kraft", "Effektive Regeneration" sowie "Flexibilität" bei spomedis erschienen. Lesen Sie im Interview mit Ariane Heck, warum Triathleten von Yoga profitieren können.

Warum Yoga für Triathleten?
Als aktive Triathletin und Marathonläuferin habe ich selbst die Erfahrung gemacht, dass Yoga für Ausdauersportler sehr hilfreich ist. Yoga bietet einen Ausgleich zu der harten Belastung in Training und Wettkampf und kann durchaus sportartspezifische Trainingsziele fördern. Auf der Basis meiner Arbeit mit Triathleten habe ich verschiedene Programme entwickelt, die auf die Bedürfnisse und Zielsetzungen von Ausdauersportlern abgestimmt sind und gleichzeitig auch Anfängern ein unkompliziertes Yoga-Üben ermöglichen.

Triathleten investieren sowieso schon sehr viel Zeit in ihren Sport – ist es nicht vertane Zeit, zusätzlich noch ein regelmäßiges Yoga-Programm in den Trainingsplan aufzunehmen?
Ganz im Gegenteil, denn Yoga ist keine weitere Trainingseinheit, sondern ein Ausgleich zu dem umfangreichen Trainingsplan. Es ist mir wichtig klarzustellen, dass Yoga keine Sportart ist, es ist vielmehr ein Gegenpol zu der intensiven physischen Belastung und dem ständigen Leistungsdruck. Beim Yoga-Üben steht der Einklang von Körper, Atem und Geist im Vordergrund und nicht Leistung – gerade darin liegt nach meinen Beobachtungen die Stärke von Yoga und gleichzeitig der größte Bedarf von ambitionierten Sportlern. Denn wer dauerhaft gute und „gesunde“ Leistungen erbringen will, muss auf Ausgewogenheit von aktiven und passiven Phasen, von Anstrengung und Erholung achten. Yoga hilft Ausdauersportlern bei Entspannung und Stressabbau, es fördert und beschleunigt die körperliche und mentale Regeneration.

Darüber hinaus kann ich mit einem individuell abgestimmten Yoga-Programm auch gewisse Schwerpunkte setzen. Beispielsweise kann ich die Flexibilität besonders fördern oder den Kraftaufbau oder auch die Regeneration. Die verschiedenen Yoga-Haltungen dehnen den ganzen Körper und das fließende Üben fördert Koordination und Körperbeherrschung. Ein geschmeidiger und reaktionsfähiger Körper ist schließlich resistenter gegenüber Verletzungen. Nicht zuletzt trainiert Yoga mentale Faktoren wie die Konzentrations- und Entspannungsfähigkeit und auch die Selbstwahrnehmung. Im Wettkampf hilft dies besonders bei Stresssituationen. Ausdauersportler können also auch konkrete sportliche Leistungsparameter durch Yoga verbessern.

Für Ausdauersportler ist Yoga aus verschiedenen Gründen reizvoll: nicht als zusätzliche Trainingseinheit, sondern als idealer Ausgleich zu Trainings- und Wettkampfbelastungen und zur Unterstützung Ihrer Trainingsziele. Yoga bereichert das sportliche Training und ist in jeder Hinsicht effektiv – also insgesamt absolut sinnvoll investierte Zeit.

Sollten an Yoga interessierte Triathleten einen Kurs besuchen?
Ein persönlicher Kontakt zu einem Yoga-Lehrer ist natürlich grundsätzlich immer sinnvoll. Ein Lehrer kann Fehler korrigieren und individuelle Hilfestellung geben. Wer gesundheitliche Probleme hat, sollte unbedingt unter der Aufsicht eines Yoga-Lehrers üben. Auch finden viele das Üben in einer Gruppe motivierender als allein.

Doch für diejenigen, die keine Gelegenheit haben, ein Studio zu besuchen, oder sich nicht auf bestimmte Zeiten festlegen möchten, eignen sich die DVDs, um Yoga unkompliziert kennenzulernen. Gleichzeitig können Sie die Programme langfristig anwenden, zum Beispiel wenn Sie begleitend zu einem Kurs zuhause weiter üben wollen, oder einfach lieber zu Hause üben als in einem Studio, wenn Sie viel auf Reisen sind oder im Trainingslager einen Ausgleich suchen.
Die Programme auf den DVDs sind so konzipiert, dass Sie direkt einsteigen und mitmachen können – so, als ob Sie an einer Yogastunde in einem Studio teilnehmen würden.

Parallel zu Ihrem Buch „Yoga für Triathleten“ erscheinen drei Yoga-DVDs. Worin unterscheiden sich die drei Programme?
Zunächst zu den strukturellen Gemeinsamkeiten: Jede DVD zeigt eine in sich abgeschlossene Yoga-Unterrichtsstunde. Dem klassischen Aufbau folgend beginnt die Stunde mit einer Einstimmung – hier können Sie sich von störenden Einflüssen und Gedanken lösen und sich Ihrem Körper und Atem zuwenden. Anschließend folgen ein Bewegungsteil, eine Atemübung, eine Konzentrationsübung und schließlich die Schlussentspannung.

Unterschiedlich sind die Schwerpunkte der drei verschiedenen Yoga-Programme, die einzelnen Übungsteile sind entsprechend darauf abgestimmt:

Im Programm „Flexibilität für Ausdauersportler“ zielen die Haltungen vor allem auf die Mobilisation von Rücken, Beinen und Schultern. Die Wirbelsäule wird in alle Richtungen gedehnt und bewegt und häufig gedreht.

Das Programm „Mehr Kraft für Ausdauersportler“ unterstützt neben der Arm- und Bein- vor allem die Rumpfmuskulatur. Weil auch mentale Kraft eine wichtige Rolle spielt, schult die anschließende Atemübung in besonderem Maße die Fokussierung und Bündelung der Energie. In der darauf folgenden Konzentrationsübung lernen Sie, die innere Wahrnehmung auf Ihrem Brustbein ruhen zu lassen – das ist im Yoga der Körperbereich, in dem mentale Kraft und Entschlossenheit gestärkt und beobachtet werden kann.

Im Programm „Effektive Regeneration für Ausdauersportler“ finden Sie viele Umkehrhaltungen (der Bauchnabel ist dabei höher ist als der Kopf) sowie Vorwärtsbeugen. Beide begünstigen innere Ruhe, Entspannung und inneres „Loslassen“. Deshalb schließt sich hier eine Atemübung an, die die Ausatmung betont.